Verzweifelt gesucht: verschwundene Enten

Fürsorglichen Findern winkt eine Belohnung

Wer in diesen Tagen das Aaseebad Ibbenbüren besucht, trifft auf
gramgebeugte Gestalten mit tieftraurigen Gesichtern. Was passiert ist? „Die Enten sind weg!“,
schluchzt Jacqueline Nichting, eine der Mitarbeiterinnen. Sie setzt mit tränenerstickter Stimme
zu einer Erklärung an, winkt ab, schleicht gebrochen von dannen. Die Sonne scheint für sie
nicht mehr.
Der Fall ist so dramatisch wie herzzerreißend: Da hatte das beliebte Freizeit- und Erholungsbad
für die ganze Familie sich daran gemacht, eine Zucht Blauenten aufzuziehen. Die sollten eine
neue Attraktion werden. Ein properes Muttertier hatte kräftig Nachwuchs geboren. Der Bestand
wuchs schnell auf 150 Jungtiere. „Zwar nur aus Plastik, aber trotzdem lieblich anzusehen“,
blickt Aaseebad-Leiter Michael Blumberg traurig und ernst aus seinen sonst so fröhlichen
Augen.
Dann kam am vergangenen Wochenende der Schock aus heiterem Himmel: Über Nacht
verschwanden die blauen Entchen vom Gelände des Hallen- und Freibades. „Fliegen konnten
die noch nicht. Sie sind ja gerade mal eine Hand groß“, gibt Blumberg, über den Verlust noch
immer sichtlich erschüttert, zu Protokoll. „Ein Loch im Zaun gab es nicht, auch der Fuchs wird’s
nicht gewesen sein…“ Blumberg, Nichting und die anderen Mitarbeiter des Aaseebades
Ibbenbüren gehen zunächst noch davon aus, dass sich der Entennachwuchs geschlossen auf
ein Freigang-Abenteuer begeben hat. Wie die kleinen Watschler entweichen konnten, bleibt ein
Mysterium.
Der Freigang dürfte allerdings für die wackeren Entlein viele unwägbare Gefahren bereithalten.
Raubtiere könnten sie auf ihren Speiseplan setzen. Oder die entwichenen Tiere ihrerseits der
Hunger im Plastikbauch plagen. Weswegen sich das Aaseebad-Team jetzt gemeinsam mit dem
Muttertier nachdrücklich an die Öffentlichkeit wendet: „Rettet unsere Enten!“ haben die
Mitarbeiter auf Plakate gedruckt. Die machen außerdem klar: Die Suche nach den Entchen ist
eine verzweifelte.
Damit die Jungenten möglichst rasch zurück ins Aaseebad Ibbenbüren und somit zum
Muttertier gelangen, setzt das Team um Michael Blumberg auf die Hilfe vieler. Wer eine der 150
Enten – klein, blau, aus Plastik, mit einer Nummerierung und Kennzeichnung des Aaseebades
– findet, sollte sich in tierlieber Weise des Findlings annehmen und ihn schnellstmöglich zu den
üblichen Öffnungszeiten wieder an der Kasse des Aaseebades Ibbenbüren abgeben. „Wir
gehen davon aus, dass sich die Tiere noch irgendwo in Ibbenbüren aufhalten, vielleicht einzeln,
vielleicht aber auch in kleineren Gruppen“, sagt Jacqueline Nichting und versucht sich zu
fassen. „Sie sind ja noch so klein!“
Als Dankeschön winkt jedem, der eine entwichene Ente zurückbringt, einmal freier Eintritt für
das Aaseebad Ibbenbüren. Wobei zu beachten ist, dass pro Jungentenretter nur eine Ente
gezählt. „Wir glauben, trotz aller Sorge um die Tiere, dass jeder die Chance erhalten sollte, zum
Retter zu werden“, sagt Michael Blumberg. „Denn das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, ist
mindestens so erhebend wie an frohen Sommersonnentagen ein Sprung in die Becken unseres
Bades!“
Nichting, Blumberg und ihre Kollegen hoffen, dass die Suchaktion Erfolg haben wird – und sich
viele Entenretter an der Kasse des Aaseebades Ibbenbüren einfinden werden. „Wir vermissen
unsere Enten!“, sagt Jacqueline Nichting. Dann zerreißt ein neuerliches Schluchzen ihren
Redefluss. Noch ist nichts gut. Hoffentlich bald schon aber doch.